Bücher über die Heimat
Heimatdorf im bayerischen Nachkriegsdeutschland – Bernd Schroeder
Heimat ist vermutlich das deutsche Wort, für das es nicht mal eine richtige englische Übersetzung gibt, das aber dennoch unendlich viele Bedeutungen hat. Nicht im eigentlichen Sinn. Für jeden ist Heimat etwas ganz anderes. Drei Bücher nähern sich diesem Begriff auf unterschiedlichste, aber jeweils beeindruckende Weise.
Bernd Schroeder, Grimme- und Filmpreisträger, zeichnet mit Auf Amerika das Bild eines Knaben in der bayerischen Provinz der Nachkriegsjahre. Wirtschaftsaufschwung und Kriegsfolgen, karges und anstrengendes Landleben, kauzige Dorfbewohner und die eigenen Eltern, die nicht gerade als Bilderbuchfamilie bezeichnet werden können. Schroeder gelingt eine Liebeserklärung an eine Dorfjugend, die absolut typisch ist und deshalb so nah ans Herz geht. Alt-Nazis, rigorose Klosterschwestern im Waisenhaus und listige Bauern – das Personal in Auf Amerika bietet alle denkbaren Schattierungen und ist deshalb so liebenswert, weil alle aus Sicht des kleinen Jungen geschildert werden. Er liebt das Dorf und seine Bewohner. Für ihn ist es die Heimat. Was sie ihm bedeutet, merkt der Junge noch viel intensiver, als er nach Jahren wieder zu einem Klassentreffen seine Heimat wieder besucht. Ein großartiger erzählter Roman über eine Jugend im provinziellem Nachkriegsdeutschland.
Textprobe: „Beim Dengeln der Sense gab der Veit im Rhythmus seiner Hammerschläge auf das Sensenblatt seltsame Laute von sich, die kein Beten waren und kein Singen und auch kein Fluchen, nicht einmal ein Zählen und kein sonst was Erkennbares, aber von allem doch etwas. Bücher über die Heimat: hier lesen Sie weiter …
Warten auf Mark Twain lohnt sich
Manchmal lohnt sich das Warten unbedingt. Biographien, die schon in der Mitte des Lebens veröffentlicht werden, sind wenig wert. Solche, die noch frühere Erscheinungstermine haben, sind erwartungsgemäß gar nichts wert (z.B. Daniel Küblböcks Biographie “Ich lebe meine Töne” erschien, da war er noch nicht einmal 20 Jahre alt). Die wirklich guten Schriftsteller, die tatsächlich etwas zu erzählen haben, lassen sich viel Zeit.
Mark Twain hat uns 100 Jahre auf die Folter gespannt, bis seine geheime Biographie unters Volk durfte. Es ist kein clickgedicht geworden, aber immerhin gelang ihm der ganz große literarische Wurf. Das Warten auf die mehr als 1.000 Seiten Twains, die im Aufbau Verlag erschienen sind, hat sich für den geduldigen Leser allerdings mehr als gelohnt. Und das nicht nur, weil man etwas über Wassermelonen und Kapitalismus lernen kann.
Coole Surfer brauchen coole Autos
Früher genügte es, ein cooler Surfer zu sein. Ein buntes Bord und eine wilde Frisur reichten allemal, um die Blicke auf sich zu ziehen. Doch die Zeiten haben sich geändert: der Surfer von heute, der es vor allem auf die schicken Bikini-Mädels am Strand abgesehen hat, muss sich etwas anderes einfallen lassen. Im Video kannst Du sehen, ob Surf-Weltmeister Philip Köster Erfolg bei den Mädchen am Strand der Insel Sylt hat. Seine Surfkünste sind auf jeden Fall beeindruckend.
Nackedeis am Strand von Hiddensee
Der Autor und Hiddensee – Auf den Spuren von Gerhart Hauptmann

Die Gerhart-Hauptmann-Allee in Waren (Müritz). Die blühenden und duftenden Kirschen, die frische Luft und der Weg zum Strand hätten Gerhart Hauptmann bestimmt gefallen. Der Autor von Kultur-Kolumne.de wohnt dort und mag auch deshalb das Heimatbuch.
Sanddorn, Heidegras und Efeu – das ist die Welt von Gerhart Hauptmann auf Hiddensee. Rüdiger Bernhard geht auf der kleinen Ostseeinsel vor Rügen auf die Spuren des Nobelpreisträgers für Literatur mit schlesischen Wurzeln.
Das Buch liefert spannende Hintergründe zur Entwicklung von Hauptmanns Werk, das zu großen Teilen auf Hiddensee entstand. Das Sommerhaus Hauptmanns auf der Insel ist bis heute eine Pilgerstätte für Fans und Verehrer des Schriftstellers geblieben. Dort holte sich Gerhart Hauptmann die Inspiration. Auch für Nicht-Hauptmann-Liebhaber gräbt Rüdiger Bernhard kurzweilige und unerwartete Details zum Schriftsteller aus. So erfährt man die Herkunft des ungewöhnlichen „T“ im Vornamen, einen Überblick über die zahlreichen Liebschaften Hauptmanns, seine Schwäche für nackte Tänzerinnen am Hiddenseer Strand und Näheres zum Capri der Ostsee, wie die Insel Hiddensee im Volksmund heißt.
Auf den Spuren von G. Hauptmann – hier vollständigen Beitrag lesen …
Parlamentarische Demokratie in 57 Sekunden
Die Abstimmung über das neue Meldegesetz war kurz, die Empörung dafür umso heftiger. Das Video des Deutschen Bundestages zeigt, wie Gesetzgebung in Deutschland funktioniert. Bevor über die geringe Beteiligung im Plenum gemeckert wird: man müßte die Anwesenden eigentlich loben: ein paar hundert andere Abgeordnete schauter zur gleichen Zeit lieber das Fußball-EM-Halbfinale Deutschland-Italien.
Entschieden wurde ein Gesetz, das es Einwohnermeldeämtern erlaubt, persönliche Daten der Bürger gegen Bezahlung an Dritte weiterzugeben, ohne daß man widersprechen kann.
Das Erfolgsgeheimnis von Google

Nach der Google-Formel könnte das hier ein Erfolg werden: die Werbung muss nicht gut sein, Hauptsache das Produkt stimmt.
Wer das Internet nutzt, kenn Google. Keine schlechte Ausgangsbasis für die Internetfirma mit den bunten Buchstaben. Was vielen innovativen Unternehmen fehlt, ist bei Google längst Standard: es wird mit cleveren Ideen auch Geld verdient. Douglas Edwards, ein ehemaliger Consumer-Brand-Manager bei Google hat jetzt in seinem Buch Google Mitarbeiter Nr. 59 ein kleines bisschen des Erfolgsgeheimnisses verraten:
Etwas ist falsch oder richtig. Wenn es falsch ist, gibt es dafür einen Grund, also arbeitest Du daran bis es stimmt.
Die Entwickler bei Google folgen der Maxime, dass sich das, was sich nicht programmieren lässt oder nicht durch eine Formel darstellbar ist, auch nicht optimieren lässt. So etwas findet bei Google einfach nicht statt. Eine kurze Unternehmensberatung für alle Startups folgt auch im Buch:
- Glaube an Deine Ideen und misstraue konventionellen Praktiken
- Nur gute Mitarbeiter bringen das Unternehmen voran
- Idee schläg Budget: wenn das Produkt keinen Kundennutzen bringt, nützt die beste Kampagne nichts
Wie man damit unangefochtener Marktführer wird, bleibt dennoch ein Rätsel. Foto: Thomas Kohler@Flickr CC-Lizenz
Koalitionsverhandlungen auf Griechisch
Das Land ist ziemlich pleite. Wie hoch die Schulden genau sind, weiß vermutlich niemand. Alle dürften allerdings ahnen, daß das mit dem Zurückzahlen eine langwierige bis unmögliche Sache werden kann. Jetzt Neuwahlen nach harten Verhandlungen mit der EU und dem IWF mit dem Ergebnis, daß noch mehr Kredite kommen (die irgendwann zurückgezahlt werden müssen) und das Volk mit Einkommenskürzungen und Steuererhöhungen an der Lösung der Finanzkrise beteiligt werden soll. Wer ein lautes “Hurra” erwartete, ist ein Träumer.
Nun die Koalitionsverhandlungen nach der Wahl:
- A verhandelt mit B und C: sie scheitern
- B verhandelt mit A und C: auch hier kommt nichts zustande
- nun die große Hoffnung: C verhandelt, diesmal mit A und B. Ergebnis: nichts. Man muß hinzurechnen, daß zwischenzeitlich auch die Parteien D bis G gefragt wurden, die aber über so verquere Ansichten oder so wenige Mandate verfügen, daß sie von vornherein nicht als Koalitionäre in Frage kamen.
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