Archiv für Kolumne
Sommerhit 2011
Auch auf die Gefahr hin, daß der Sommer wetterbedingt nicht wahrgenommenwird. Der Sommerhit ist eindeutig und unangefochten Mr. Saxobeat von Alexandra Stan. Warum? Vier ganz einfache Erfolgsgeheimnisse.
- Die Sängerin ist blond, sexy und bewegt sich im Takt. Das Outfit ist entsprechend knapp ohne jedoch den Hauch von irgendetwas zu zeigen. Andeuten ist das neue Zur-Schau-Stellen.
- Endlich traute sich mal wieder ein Produzent auf gute, altbewährte Housemusik zu setzen. Der Beat ist uralt, tausendmal kopiert und abgewandelt worden und dennoch einfach nur gelungen bis perfekt.
- Man kann man nach zwei mal Hören mitsingen. Oh, yeah, mmm yeah…Versuchen Sie das mal bei einem James Blunt Song.
- Das Video ist bei entsprechenden Portalen frei verfügbar. So einfach entstehen Hits im 21. Jahrhundert.
Bücher für den Sommerurlaub
Spannung in Afrika
Ist man der, der man glaubt zu sein? Und was weiß der andere über mich? Oder weiß ich gar mehr über den anderen, als mir selbst bewußt ist? Mit MALINDI, einem Psychothriller, geht man auf eine Reise bis nach Kenia auf der Suche nach Vergangenheit und Wahrheit. Marc Kessler, Tiefenpsychologe und Protagonist dieser ungewöhnlichen Reise, wächst dem Leser dabei unweigerlich ins Herz: man gönnt ihm regelrecht, die Hintergründe der äußerst merkwürdigen Umstände zu erfahren. Gelegentlich muß man richtig mit ihm leiden, aber das macht die Sache nur noch liebenswürdiger. Vor allem weiß man nach der Lektüre: das Leben eines Tiefenpsychologen möchte man keinesfalls führen. Hedge-Fonds-Manager in in Finanzmarktkrisenzeiten, Trainer einer abstiegsbedrohten Fußballbundesliga-Mannschaft oder Polizist beim Einsatz am Ersten Mai in Berlin-Kreuzberg versprechen mehr Ausgeglichenheit, Konstanz und Perspektive.
“Wenn die Therapie auch nur den Hauch einer Erfolgschance haben sollte, dann mussten er und Marc sich zunächst aufeinander einspielen. Danach mussten begleitende Maßnahmen getroffen werden, damit niemand in Wallners Umfeld zu Schaden kam, wenn seine seelischen Probleme offen zutage traten. All das erforderte sorgfältige und zeitaufwendige Vorbereitung und funktionierte nur unter der Bedingung: dass während dieser Zeit kein Zündfunke auch nur in die Nähe des Pulverfasses von Wallners brodelnden Agressionen kam.”
Alternative zu Ostafrika
Ernst Kleemann, der schon den Hamburger Detektiv Meise schuf, legt ein spannendes Buch für den Strandkorb vor. Aber vergewissern Sie sich, daß der Strandkorbwärter auch tatsächlich der ist, der er vorgibt zu sein. Man weiß ja nie. Passend dazu gab der gleiche Verlag einen Bildband zur schönen Ostseehalbinsel heraus: 365 Tage Fischland, Darß und Zingst von Georg Jung – Der immerwährende Kalender für eines der kostbarsten und schönsten Küstengebiete Europas. Viel schöner als Kenia. Aber doch ähnlich: spannende und unterhaltsame Geschichten rund um die Bewohner am Bodden. Foto: Thomas Kohler@Flickr CC-Lizenz
Erkenntnis des Tages: der ganz normale Wahnsinn
Eigentlich ist nichts Schlimmes passiert. Die Erkenntnisse, die der Tag brachte, waren wieder einmal erstaunlich bis unerträglich.
- 21.45 Uhr: Muß man wissen, wie der Sohn von Wilhelm Tell hieß (der mit dem Kopf unterm Apfel) oder ist es gar schlimmer, daß man niemanden kennt, der so etwas wissen könnte? Als Bildungsbanause geht es ans große Geld verdienen.
- 1.15 Uhr: Ein Einkommensteuerprogramm für € 9,95 mag funktionieren, schneller/einfacher/komfortabler wird die Bearbeitung dadurch keinesfalls. Das, was mir als Steuerzahler dadurch möglicherweise entgeht, kommt allerdings in gute Hände. Der Staat wird’s schon irgendwie unter die Leute bringen.
- 8:27 Uhr: ein netter Nachbar stellte meine Mülltonne wieder an den Stellplatz zurück, nachdem das Müllauto da war. Danke.
- 8:30 Uhr: Der Baggerfahrer in unserer Straße sieht aus wie der Dicke aus Little Britain. Sicher eine der besten Serien des 21. Jahrhunderts. Und die Straße ist auch bald wieder befahrbar.
- Es war sommerlich heiß, als die Meldung kam, daß Jörg Kachelmann frei gesprochen wurde. Wer hat in diesem Verfahren gewonnen? Der Beklagte (wird wohl nie wieder im TV auftreten)? Der Anwalt (hat vermutlich keine Kumpels hinzugewonnen)? Die Anklägerin (ist sie jetzt noch glaubwürdig)? Der Staat (muß die Gerichtskosten bezahlen)? Die Richter/Staatsanwälte/Gutachter (haben irgendwie umsonst vorgeturnt)? Blieben also nur die Gerichtsreporterinnen (wissen alles und können schön betroffen in die Kameras gucken) und der Rechtsstaat (ja genau, das Motto ist und bleibt in dubio pro reo).
- 18:35 Uhr: die fast fertige Straße ist jetzt dank Sauwetter überschwemmt. Das wird morgen ein hartes Stück Mehrarbeit.
- Morgen sollte eine weitere Glanztat in Angriff genommen werden: FIFA-Exekutive-Mitgliedschaft anstreben (Vorfreude auf wertvolle Geschenke). Foto: Thomas Kohler@Flickr CC-Lizenz
Die schwierige Wahl des richtigen Verkehrsmittels
E10 – es könnte sich zum ultimativen Stammtischthema des Jahres entwickeln. Plötzlich wird jeder Kraftfahrer zum Verbrennungsmotorenexperten. Doch die Diskussion greift viel zu kurz: nicht nur die Wahl des Sprits ist schwierig, die komplette Verkehrsmittelauswahl sollte gut bedacht sein. Hier die Entscheidungshilfe der Kultur-Kolumne:
- Schiffe bieten eine gute Aussicht und sind erfreulich gemächlich unterwegs. Nur leider führen die wenigsten Seewege dorthin, wo man gerade hin möchte (vor allem durchschnittliche deutsche Innenstädte sind in der Regel wassertechnisch schlecht erschlossen).
- Ein Flugzeug kann abstürzen und dauergrinsende, uniformierte und zu stark geschminkte Mitarbeiter sind auf Dauer unerträglich. Außerdem war Sonja Zietlow mal Pilotin, was den Berufsstand in einem merkwürdigen bis bedenklichen Licht erscheinen läßt.
- Die Bahn ist bequem (wenn man einen Sitzplatz ergattert), billig (wenn man sich mit vier anderen Nervbolzen ein Regionalticket teilt) und pünktlich (in der Schweiz). Es zieht grundsätzlich auf allen Bahnhöfen, auch auf den überdachten.
- Das Auto kann man mit Super-E10 betanken und damit Motor, Schläuche und anderes kaputt machen. Man kann alternativ bei HEM noch das alte Superbenzin tanken, allerdings verdient dann Schurke und Uniformliebhaber Gaddafi daran (dessen libyschen Staatsfonds gehört die Firma).
- Bus wäre eine Alternative, wenn nicht fünfundneunzig Prozent aller Linien-Busfahrer auf der Welt unfreundlich wären.
- Bliebe das Fahrrad, was entweder gestohlen ist oder ein defektes Licht hat.
- Einziger Ausweg scheint eien Reise im Ballon. Hierzu findet Daniel Kehlmann in „Die Vermessung der Welt“ folgende hübsche Beschreibung der Schrulligkeit dieser Luftraum-Spezies: „Am nächsten Morgen klopfte jemand an seine Tür. Ein Junge stand draußen, sah mit aufmerksamen Augen zu ihm auf und fragte, ob er mitfliegen dürfe. Mitfahren, sagte Pilâtre. Mit dem Ballon fahre man. Man sage nicht fliegen, sondern fahren. So sei es Sitte unter Ballonleuten. Welchen Ballonleuten? Er sei der erste, sagte Pilâtre, und er habe es so verfügt. Und nein, natürlich könne keiner mitfahren.“
Skandal in der deutschen Politik – KT & Steffi on tour
Die Meldung an sich war unspektakulär: Verteidigungsminister zu Guttenberg nimmt seine Frau mit zum Truppenbesuch nach Afghanistan. Das Paar überbrachte Weihnachtsgrüße aus Deutschland, dankte den Kameraden der Bundeswehr für den gefährlichen Einsatz und posierte für die Kameras zusammen mit den Soldaten. Stephanie zu Guttenberg machte dabei eine außerordentlich gute Figur: sie plauderte vor allem mit den weiblichen Soldaten und kam bei denen offenbar auch sehr sympathisch an.
Der Aufschrei war enorm: Aus Sicht der Opposition war die Reise ein Skandal. Zur Abmilderung wurde vom Verteidigungsministerium mitgeteilt, daß Frau zu Guttenberg die Reise selbst bezahlte. So weit, so gut. Doch es kommen zu dieser Reise Fragen auf. Zehn Aspekte, die aus Sicht der Kultur Kolumne zu berücksichtigen sind:
- Warum liegen Frau Guttenbergs Haare nach einem Flug im Bundeswehrjet besser als die der meisten Abgeordnetinnen im Bundestag an einem ganz normalen Tag?
- Was mag so eine Reise für eine Privatperson kosten?
- Wieso poltert Herr Gabriel (SPD) und macht billige Witze (er teilte mit, daß er nur noch Daniela Katzenberger in Afghanistan vermisse. Das war vermutlich als Witz gemeint – viel mehr ist allerdings zu vermuten, daß das eines der schönsten Weihnachtsgeschenke für die Soldaten wäre)?
- Wieso durfte JB Kerner auch mit?
- Wieso sagt die CDU nicht, daß KT zu Guttenberg ihr künftiger Kanzlerkandidat ist (zumindest, wenn die Wahlen im kommenden Jahr so desaströs enden, wie derzeit zu erwarten)?
- Wieso diskutiert die FDP am gleichen Tag mit sich selbst bzw. Wolfgang Kubicki, anstatt die Steuern zu senken, die Sozialversicherung zu reformieren oder griffige Ideen für eine zukunftsweisende Klimapolitik zu entwerfen?
- Wem darf man dafür danken, daß nicht auch noch Horst Seehofer mitreiste?
- Wieso tragen Bundessoldaten eigentlich fast ausnahmslos affige Sonnenbrillen, während der Minister samt Frau erneut modische Maßstäbe (Anorak mit Fellkragen sie; dunkler Blouson zu heller Hose er) setzte?
- Sind wirklich alle Bundestagsabgeordneten, die je für einen Afghanistan-Einsatz Deutschlands stimmten, immer noch dafür?
- Wieso haben alle Soldaten im Dienst auch ein Mobiltelefon mit Fotofunktion dabei und welcher Mobilfunkanbieter hat Sendemasten am Hindukusch?
In der Kürze liegt die Würze – Themenwoche Essen ist Leben
Themenwoche Essen ist Leben in der ARD – das bedeutete tägliches Programm im Ersten und den Dritten mit Beiträgen zum Thema Essen und Ernährung. Ein Extra-Logo wurde eingeblendet, man lernte, wie weit und lange Lebensmittel auf Reisen sind und unter anderem durfte Tim Mälzer seine feine Küche präsentieren. Doch nicht nur die üblich verdächtigen Fernsehköche machten diesen Braten fett: unglaublich viele Sendungen, Beiträge und Magazine beschäftigten sich im weitesten mit dem Thema: ein Spielfilm zum Fasten im Ersten (dank Maxim Mehmet, Inka Friedrich und Dietmar Bär war der sogar trotz des sperrigen Themas hübsch anzusehen), Liebe und andere Delikatessen bei Bayern 3, ein Polizeiruf zum Thema Schweinemast (in dem der Begriff Bohnekaffee öfters genannt wurde, als in anderen Schmonzetten Latte Macchiato geschlürft wird), Berichte über Food Design, Genfood und Diäten. Ebenso durften die Anklagen nicht fehlen: Hunger in Afrika, Tonnen von Lebensmittelmüll und die dramatischen Probleme im Zusammenhang mit der Biospritherstellung in Kolumbien.
Die fast unüberschaubare Magazinlandschaft im Ersten Programm legte ebenso nach, besonders in der Wahl der Beitragstitel: Weltreise – mit dem Magen durch Amerika (Eins Extra), Planet Wissen: Alles über Nudeln – Die Stammesgeschichte von Pasta, Spätzle & Co. (WDR) und Exakt – Die Story: Dickes Deutschland – Übergewicht und die Folgen (MDR). Dazu kamen die unverzichtbaren Talkshows und hunderte Beiträge in den zig Radiosendern der ARD und ein umfangreiches Internetangebot mit Kalorienrechner und Ratespielen. Alles mit dem hehren Ziel: Die ARD-Themenwoche sollte zeigen, wie wir mit unserer Ernährung die Welt verändern, Denkanstöße für einen bewussteren Konsum vermitteln und Appetit machen auf gutes und gesundes Essen. Täglich gilt: Man ist, was man isst. So zumindest hatte es das Erste im Vorfeld der Tehmenwoche bekannt gegeben.
Den entscheidenden Spritzer Extrafinesse, der zu dieser Themenwoche fehlte, brachte allerdings erst Altmeister Harald Schmidt am späten Abend. Er kürzte den ganzen Rummel um dieses Thema auf 10 Sekunden zusammen: Was muß man bei der Ernährung beachten? Nicht so viel, öfters mal bewegen, nicht maßlos rauchen und saufen. Mahlzeit!
Streitpunkt des Tages: Multikulti
Wenn alle mitreden, aber kaum jemand Bescheid weiß, ist es immer ein sicheres Zeichen dafür, daß das Thema in einem sehr kurzen Zeitraum hochkocht und dann genauso schnell wieder vergessen wird. So zu beobachten derzeit beim Begriff Multikulti. Bundeskanzlerin Merkel hat die aktuelle Diskussion durch ihr Zitat: Multikulti ist gescheitert angeregt. Viele Zeitungen und Onlinemedien greifen dieses Thema in epischer Breite auf. Was versteckt sich eigentlich dahinter?
Multikulturalismus
Multikulturalismus ist der Oberbegriff für eine Reihe sozialphilosophischer Theorieansätze mit Handlungsimplikationen für die Kulturpolitik eines Landes. Multikulturalisten treten für den Schutz und die Anerkennung kultureller Unterschiede durch den Staat ein. Multikulturalismus steht dem Gedanken einer dominanten Nationalkultur ebenso entgegen, wie dem in den USA weit verbreiteten Gedanken des Melting Pot, der von einer Angleichung der verschiedenen Kulturen ausgeht.
Das Ideal der multikulturellen Gesellschaft
Ziel des Multikulturalismus ist die multikulturelle Gesellschaft, in der es keinen staatlichen oder auch nichtstaatlichen Anreiz oder „Druck“ zur Assimilation geben soll. Die ethnischen und kulturellen Gruppen sollen hingegen nebeneinander existieren. Dabei beruht dieses Modell auf der Voraussetzung, dass die (Angehörigen der) jeweiligen Ethnien sich gegenseitig Verständnis, Respekt, Toleranz entgegenbringen und einander als gleichberechtigt ansehen.
Die in einer multikulturellen Gesellschaft entstehenden Konflikte sollen dabei – nach dem Willen der Befürworter eines solchen Gesellschaftsmodells – durch eine sogenannte „interkulturelle Erziehung“ minimiert werden, ebenso wie durch eine restriktive Anti-Diskriminierungs-Gesetzgebung.
Foto: Thomas Kohler@Flickr CC-Lizenz, Text inspiriert durch diesen Artikel: http://de.wikipedia.org/wiki/Multikulti







