Fernsehkritik des Tages: Christian Buß

So schön ist es in der Eifel

So schön ist es in der Eifel

Zum Grausen – Oder gehörte das zum Besetzungskonzept? Eine gewisse Logik besäße es ja schon: Deutschland als Nation von Zombies, dargestellt von den Fernsehzombies der Nation.

Christian Buß

Der SPIEGEL-Online Autor nimmt sich in seinem Kommentar den RTL Zweiteiler Der Vulkan vor. Er entlarvt den Sender mit dessen Eigenproduktion bei den üblichen Verdächtigungen: Story, Action, Schauspieler – alles Durchschnittsware. Der Ort des Geschehens ist die idyllische Vulkaneifel, die von feinem Staub durch einen Vulkanusbruch bedeckt wird. Einige Protagonisten finden Unterschlupf in einer Höhle und treffen hier aufeinander. Zeit für Helden also.

Die Effekte des Film, die die meisten unter uns nur vom Terroranschlag auf das World Trade Center kennen, wirken im Film: langanhaltender Staubregen. Doch dann wird es aberwitzig: nicht das Leid der Bürger nach der Naturkatastrophe, sondern die zwischenmenschlichen Beziehungen dominieren die Szenen: Kapitalismuskritik, Gesellschaftsverfall und der ganz normale Wahnsinnn des Alltags – das sind die Themen, die nach dem Vulkanausbruch diskutiert werden.

Wirklich schlimm sind allerdings die schauspielerischen Leistungen; „Schauspielattrappen“ nennt Christian Buß sie: Ursula Karven als Ärztin, Jenny Elvers-Elbertzhagen als Managerzicke und Schlagersängerin Yvonne Catterfeld als Vulkan-Expertin – das will man eigentlich nicht sehen. Immerhin fast sechs Millionen Zuschauer fanden, das das nicht so dramatisch ist. Sie dürften sogar recht haben: Die Alternativen im TV-Programm waren: eine Schnulze im ZDF, die achtundzwanzigste Wiederholung des Grafen von Monte Christo, die achtundsechzigste Wiederholung von Dirty Dancing und das perfekte Promi Dinner.

Foto: schulle77 @Flickr

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