
Wie verknüpft man Fußball mit Ricky Martin per Foto? Nun ja, von Sängerkollege George Michael ist immerhin eine Toiletten-Anekdote bekannt.
Die Welt ist seit heute Nachmittag nicht mehr wie je zuvor. Gleich zwei Schocknachrichten ließen die Menschheit erstarren: Jens Lehmann beendet nach Ende der aktuellen Fußball-Saison seine Karriere. Und Ricky Martin ist schwul.
Spannend an den Nachrichten ist ihr Gleichklang: beide Ereignisse hat man erwartet, beide Männer nerven mehr oder weniger, beide haben die besten Zeiten hinter sich. Beide waren stets die Nummer zwei in ihrer Zunft, da Titan-Kahn und Robbie Wiliams ihnen die Show stahlen. Beide haben merkwürdige Frisuren und tragen Dienstkleidung in bedenklichen Farben.
Nach Meinung der Kultur Kolumne Redaktion bleiben dennoch beide unauslöschlich im Gedächtnis: Lehmann brachte uns dank eines Spickzettels eine Runde bei der WM weiter und fliegt mit dem eigenen Huschrauber vom Wohnort zum Traning. Und gibt es auch nur einen einzigen lebenden Mann, der einen erotischeren Hüftschwung kann, als die Reinkarnation des perfekten Latinos, der dazu auch noch passabel singen kann? Eben. Wir werde beide vermissen.
Foto: Thomas Kohler@Flickr CC-Lizenz
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Es ist überhaupt nicht dramatisch, einen Witz zu vermasseln, weil man die Pointe falsch widergibt. Es ist ebenso unproblematisch, Witze zu erzählen, die alle schon kennen. Allerdings kann man doch alles falsch machen. Der MDR, der Powersender für’s junge Publikum, zeigt wie so etwas gemacht wird. Die Stunde der Witze, so der Titel der Sendung, ist nur für den ersten Teil wörtlich zu nehmen. Sechzig Minuten lang wird der Zuschauer mit Uralt-Zoten und bereits tausendfach wiederholten Sketchen gequält. Das ist in der heutigen Medienlandschaft nichts außergewöhnliches. Dennoch ist die Art und Weise unglaublich mies: schlechte Schauspieler (oder solche, die der MDR dafür hält bzw. bezahlt) führen nicht nur die unwitzigen Witze auf oder erzählen sie. Nein, sie lesen die Witze komplett vor, Kalauer und Stammtisch-Banalitäten ohne Ende. Man könnt einwende, so etwas (Unwitziges vorzulesen) passiere täglich in Nachrichtensendungen und die sind sogar belibt dafür. Das Problem bei Die Stunde der Witze: Die Witzeableser schauen beim Rezitieren nicht ein einziges Mal in die Kamera.
Der Sender selbst umschreibt das Machwerk der nicht vorhandenen Unterhaltungskunst mit “Bauchschmerzen und Tränen in den Augen – natürlich vor Lachen.” Offenbar ist der Redakteur, der die Szenen auswählt, auch für die begleitenden Programmhinweise zuständig – und scheitert hier folgerichtig. Protagonisten des unlustigen Abends waren: Katrin Weber, Bernd-Lutz Lange, Tom Pauls, Dieter Bellmann, Gunter Böhnke, Thorsten Wolf, André Höhl. Wer diese Dame und die Herren nicht kennt, ist vermutlich nicht im Stammgebiet des Kessel Buntes geboren. Als Stargäste traten Wolfgang Lippert (Wetten, daß – Urgestein) und Chris Howland auf. Letzterer hat seine große Zeit wohl hinter sich. Auch er las vom Karteikärtchen ab und reihte sich damit in die Liste der schlechten Witzeerzähler des MDR ein. Schade.
Parallel lief übrigens das grauenvolle Kicken der scharz-rot-goldenen Elf gegen Argentinien. Die Sprüche von Moderator Béla Réthy sind auf ähnlichem Niveau wie die Witze vom MDR (“Die Deutschen halten gut mit, man kann ihnen keinen Vorwurf machen. Sie spielen gegen eine Weltklasse-Auswahl” ist der Kommentar zur schwächsten Phase der Deutschen, die nur Minuten später ein nach lächerlicher Abwehrleistung verdientes Gegentor kassieren). Vom Fußball also ganz zu Schweigen. Lediglich Oliver Kahn als Kommentator war das Einschalten wert. Wenn man in der Heute-Journal-Pause des Fußballspiels Deutschland-Argentinien zum Ersten Programm wechselte war man allerdings auch nicht besser bedient. Heio von Stetten grinste in einem mittelmäßigen Fernsehfilm in die Kamera, als hätte er die Witze aus dem MDR Programm gehört. Sind solche kömidiantischen Dramoletten eine gerechte Alternative zu abgehalfterten Witzen und trostlosem Rumpelfußball? Zu toppen wäre so ein Abend nur noch durch einen Dieter-Wedel-Mehrteiler, der wie der MDR (allerdings in der mehrstündigen Variante) beweist, daß auch er nicht unterhalten sondern eher langweilen kann.
Und zur zweiten Halbzeit kommt zu allem Übel noch Mario Gomez ins Team. Ein nicht sehr unterhaltsamer TV-Abend wird noch unerträglicher. Foto: Thomas Kohler@Flickr CC-Lizenz
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