Die erotischte Zahnlücke der Musikgeschichte

Kitty, Daisy & Lewis – Messing With My Life

Analoge Verstärker (macht nichts, der Sound ist lauter als das Rauschen der Röhren), eine Zahnlücke und drei Geschwister, die es richtig krachen lassen – mehr braucht es nicht zum Superhit. Wenn Sie live auftreten, sind die Eltern an den Instrumenten mit dabei. Die Mutter ist meist barfuß und spielt Kontrabaß. Mehr geht wirklich nicht auf dem Weg zum Pophimmel. Große Kunst, bei der man nicht so recht weiß, ob es Retro-Funk, -Blues, -Rock’n'Roll oder -Ska sein soll. Egal – Kaufbefehl!

Essen, Orthographie und das Geheimnis der Taste F7

Speisekarte

Kreativ im Geschmack und darüber hinaus

Gute Köche sind rar. Offenbar ist aber selbst bis zu einigen talentierten Vertretern der Zunft noch nicht durchgedrungen, daß trotz aller kulinarischer Kreativität gewisse Regeln bezüglich der Orthographie bestehen. Für dieses Beispiel aus dem wirklichen Leben ist zu konstatieren: das Essen war wesentlich besser als die Rechtschreibung. Auch der Wein paßte hervorragend.

P.S. Die Taste F7 bringt zumindest bei WORD beachtliche Fortschritte bei eventuellen Unstimmigkeiten. Ansonsten ist der DUDEN inzwischen komplett online. Daran kann es also nicht gelegen haben.

Foto: Thomas Kohler@Flickr CC-Lizenz

Sommerhit 2011

Auch auf die Gefahr hin, daß der Sommer wetterbedingt nicht wahrgenommenwird. Der Sommerhit ist eindeutig und unangefochten Mr. Saxobeat von Alexandra Stan. Warum? Vier ganz einfache Erfolgsgeheimnisse.

  • Die Sängerin ist blond, sexy und bewegt sich im Takt. Das Outfit ist entsprechend knapp ohne jedoch den Hauch von irgendetwas zu zeigen. Andeuten ist das neue Zur-Schau-Stellen.
  • Endlich traute sich mal wieder ein Produzent auf gute, altbewährte Housemusik zu setzen. Der Beat ist uralt, tausendmal kopiert und abgewandelt worden und dennoch einfach nur gelungen bis perfekt.
  • Man kann man nach zwei mal Hören mitsingen. Oh, yeah, mmm yeah…Versuchen Sie das mal bei einem James Blunt Song.
  • Das Video ist bei entsprechenden Portalen frei verfügbar. So einfach entstehen Hits im 21. Jahrhundert.

Einsamkeit – die französischen Nobelpreisträger für Literatur

Jeden Menge Menschen

Nein, nicht alle Menschen möchte man kennenlernen

Am liebsten sind mir die Menschen, deren Bekanntschaft mir erspart bleibt.

André Gide

Der französiche Autor konnte sich in den erlesenen Kreis der französischen Literatur-Nobelpreisträger einreihen. Dies sind die Ausgezeichneten in chronologischer Reihenfolge inkl. eines ihrer Werke:

  • Sully Prudhomme – Le Vase brisé
  • Frédéric Mistral – Mireia
  • Romain Rolland – Jean-Christophe
  • Anatole France – Das Verbrechen Sylvestre Bonnards, Mitglied des Instituts
  • Henri Bergson – Die beiden Quellen der Moral
  • Roger Martin du Gard – Le Testament du Père Leleu
  • André GideDer Immoralist
  • François Mauriac – Das Fleisch und das Blut
  • Albert CamusDer Fremde
  • Saint-John Perse – Gedicht an eine Fremde
  • Jean-Paul Sartre – Ist der Existentialismus ein Humanismus
  • Claude Simon – Triptychon
  • Jean-Marie Gustave Le Clézio – Das Fieber

Foto: Thomas Kohler@Flickr CC-Lizenz

Bücher für den Sommerurlaub

Spannung in Afrika

Fischland. Darß, Zingst

Nein, das ist keinesfalls Kenia. Oder doch?

Ist man der, der man glaubt zu sein? Und was weiß der andere über mich? Oder weiß ich gar mehr über den anderen, als mir selbst bewußt ist? Mit MALINDI, einem Psychothriller, geht man auf eine Reise bis nach Kenia auf der Suche nach Vergangenheit und Wahrheit. Marc Kessler, Tiefenpsychologe und Protagonist dieser ungewöhnlichen Reise, wächst dem Leser dabei unweigerlich ins Herz: man gönnt ihm regelrecht, die Hintergründe der äußerst merkwürdigen Umstände zu erfahren. Gelegentlich muß man richtig mit ihm leiden, aber das macht die Sache nur noch liebenswürdiger. Vor allem weiß man nach der Lektüre: das Leben eines Tiefenpsychologen möchte man keinesfalls führen. Hedge-Fonds-Manager in in Finanzmarktkrisenzeiten, Trainer einer abstiegsbedrohten Fußballbundesliga-Mannschaft oder Polizist beim Einsatz am Ersten Mai in Berlin-Kreuzberg versprechen mehr Ausgeglichenheit, Konstanz und Perspektive.

“Wenn die Therapie auch nur den Hauch einer Erfolgschance haben sollte, dann mussten er und Marc sich zunächst aufeinander einspielen. Danach mussten begleitende Maßnahmen getroffen werden, damit niemand in Wallners Umfeld zu Schaden kam, wenn seine seelischen Probleme offen zutage traten. All das erforderte sorgfältige und zeitaufwendige Vorbereitung und funktionierte nur unter der Bedingung: dass während dieser Zeit kein Zündfunke auch nur in die Nähe des Pulverfasses von Wallners brodelnden Agressionen kam.”

Alternative zu Ostafrika

Ernst Kleemann, der schon den Hamburger Detektiv Meise schuf, legt ein spannendes Buch für den Strandkorb vor. Aber vergewissern Sie sich, daß der Strandkorbwärter auch tatsächlich der ist, der er vorgibt zu sein. Man weiß ja nie. Passend dazu gab der gleiche Verlag einen Bildband zur schönen Ostseehalbinsel heraus: 365 Tage Fischland, Darß und Zingst von Georg Jung – Der immerwährende Kalender für eines der kostbarsten und schönsten Küstengebiete Europas. Viel schöner als Kenia. Aber doch ähnlich: spannende und unterhaltsame Geschichten rund um die Bewohner am Bodden. Foto: Thomas Kohler@Flickr CC-Lizenz

 

Erkenntnis des Tages: der ganz normale Wahnsinn

Klo

Dieses Kleinod wurde vermutlich für Sepp Blatter hergerichtet

Eigentlich ist nichts Schlimmes passiert. Die Erkenntnisse, die der Tag brachte, waren wieder einmal erstaunlich bis unerträglich.

  • 21.45 Uhr: Muß man wissen, wie der Sohn von Wilhelm Tell hieß (der mit dem Kopf unterm Apfel) oder ist es gar schlimmer, daß man niemanden kennt, der so etwas wissen könnte? Als Bildungsbanause geht es ans große Geld verdienen.
  • 1.15 Uhr: Ein Einkommensteuerprogramm für  € 9,95 mag funktionieren, schneller/einfacher/komfortabler wird die Bearbeitung dadurch keinesfalls. Das, was mir als Steuerzahler dadurch möglicherweise entgeht, kommt allerdings in gute Hände. Der Staat wird’s schon irgendwie unter die Leute bringen.
  • 8:27 Uhr: ein netter Nachbar stellte meine Mülltonne wieder an den Stellplatz zurück, nachdem das Müllauto da war. Danke.
  • 8:30 Uhr: Der Baggerfahrer in unserer Straße sieht aus wie der Dicke aus Little Britain. Sicher eine der besten Serien des 21. Jahrhunderts. Und die Straße ist auch bald wieder befahrbar.
  • Es war sommerlich heiß, als die Meldung kam, daß Jörg Kachelmann frei gesprochen wurde. Wer hat in diesem Verfahren gewonnen? Der Beklagte (wird wohl nie wieder im TV auftreten)? Der Anwalt (hat vermutlich keine Kumpels hinzugewonnen)? Die Anklägerin (ist sie jetzt noch glaubwürdig)? Der Staat (muß die Gerichtskosten bezahlen)? Die Richter/Staatsanwälte/Gutachter (haben irgendwie umsonst vorgeturnt)? Blieben also nur die Gerichtsreporterinnen (wissen alles und können schön betroffen in die Kameras gucken) und der Rechtsstaat (ja  genau, das Motto ist und bleibt in dubio pro reo).
  • 18:35 Uhr: die fast fertige Straße ist jetzt dank Sauwetter überschwemmt. Das wird morgen ein hartes Stück Mehrarbeit.
  • Morgen sollte eine weitere Glanztat in Angriff genommen werden: FIFA-Exekutive-Mitgliedschaft anstreben (Vorfreude auf wertvolle Geschenke). Foto: Thomas Kohler@Flickr CC-Lizenz

Wilde Bilder – Cartoons mit großen & kleinen Tieren

Cartoonair am Meer im Ostseebad Prerow auf dem Darß

Arschbombe

4. Cartoonair am Meer in Prerow

„WILDE BILDER – Cartoons mit großen & kleinen Tieren“ lautet das Motto bei der nunmehr vierten Auflage (10.06. bis 11.09.2011) des deutschlandweit einzigartigen Karikaturen-Freiluftfestivals, wie die Cartoonfabrik in einer Pressemeldung mitteilt. Cartoonisten sind Tierfreunde! Auch, weil sich Tiere ausgesprochen gut eignen, um menschliches Verhalten und Charaktereigenschaften darzustellen. Vor allem aber sind Cartoonisten Tierversteher! Sie wissen nicht nur, wie Tiere denken, sondern auch, was sie uns zu sagen haben und bringen selbst Fische zum Reden! So wird es auf der Wiese im Garten vom Kulturkaten nur so wimmeln von gezeichneten Mäusen, Hunden, Elefanten, Katzen, Pinguinen, Hühnern, Krokodilen, Schweinen, Giraffen, Schlangen, Fliegen und vielen anderen Spezies aus heimischer und fremder Fauna.

Mehr als 230 Cartoons von 45 der besten Karikaturisten Deutschlands und aus Österreich kann man vom 10.6. – 11.9. 2011 unter freiem Himmel bei Sonne, Wind und Regen sehen. Sie beweisen auf vergnügliche Weise, dass Tiere eigentlich auch nur Menschen sind und umgekehrt. Veranstaltet wird die Freiluftschau von der Berliner Cartoonfabrik, die seit 1991 Karikaturenausstellungen ausrichtet und mit dem Cartoonair am Meer ein spezielles kulturelles Angebot für die Sommerzeit an der Ostsee entwickelte. Nach den Urlaubscartoons 2008, „Fiesen Bildern“ 2009 und „Reizenden Bildern“ 2010 folgen die „Wilden Bilder- Cartoons mit großen und kleinen Tieren“.

Wie schon im vorigen Jahr wird die Ausstellung umrahmt mit satirischen Abendshows, bei denen bekannte Künstler wie Dietmar Wischmeyer, FIL und Horst Evers in Prerow auftreten. Zum Finale verwandelt sich das kleine Ostseebad wie immer zur Hauptstadt des Cartoons. Beim traditionellen Cartoonistenworkshop am Abschlusswochenende treffen sich zahlreiche Ausstellungsteilnehmer in Prerow, um gemeinsam zu zeichnen, zu signieren und mit dem Publikum zu feiern. Mehr über das Cartooair am mehr unter www.cartoonair-am-meer.de

Die schwierige Wahl des richtigen Verkehrsmittels

Segelschiff

Schiff Ahoi

E10 – es könnte sich zum ultimativen Stammtischthema des Jahres entwickeln. Plötzlich wird jeder Kraftfahrer zum Verbrennungsmotorenexperten. Doch die Diskussion greift viel zu kurz: nicht nur die Wahl des Sprits ist schwierig, die komplette Verkehrsmittelauswahl sollte gut bedacht sein. Hier die Entscheidungshilfe der Kultur-Kolumne:

  • Schiffe bieten eine gute Aussicht und sind erfreulich gemächlich unterwegs. Nur leider führen die wenigsten Seewege dorthin, wo man gerade hin möchte (vor allem durchschnittliche deutsche Innenstädte sind in der Regel wassertechnisch schlecht erschlossen).
  • Ein Flugzeug kann abstürzen und dauergrinsende, uniformierte und zu stark geschminkte Mitarbeiter sind auf Dauer unerträglich. Außerdem war Sonja Zietlow mal Pilotin, was den Berufsstand in einem merkwürdigen bis bedenklichen Licht erscheinen läßt.
  • Die Bahn ist bequem (wenn man einen Sitzplatz ergattert), billig (wenn man sich mit vier anderen Nervbolzen ein Regionalticket teilt) und pünktlich (in der Schweiz). Es zieht grundsätzlich auf allen Bahnhöfen, auch auf den überdachten.
  • Das Auto kann man mit Super-E10 betanken und damit Motor, Schläuche und anderes kaputt machen. Man kann alternativ bei HEM noch das alte Superbenzin tanken, allerdings verdient dann Schurke und Uniformliebhaber Gaddafi daran (dessen libyschen Staatsfonds gehört die Firma).
  • Bus wäre eine Alternative, wenn nicht fünfundneunzig Prozent aller Linien-Busfahrer auf der Welt unfreundlich wären.
  • Bliebe das Fahrrad, was entweder gestohlen ist oder ein defektes Licht hat.
  • Einziger Ausweg scheint eien Reise im Ballon. Hierzu findet Daniel Kehlmann in „Die Vermessung der Welt“ folgende hübsche Beschreibung der Schrulligkeit dieser Luftraum-Spezies: „Am nächsten Morgen klopfte jemand an seine Tür. Ein Junge stand draußen, sah mit aufmerksamen Augen zu ihm auf und fragte, ob er mitfliegen dürfe. Mitfahren, sagte Pilâtre. Mit dem Ballon fahre man. Man sage nicht fliegen, sondern fahren. So sei es Sitte unter Ballonleuten. Welchen Ballonleuten? Er sei der erste, sagte Pilâtre, und er habe es so verfügt. Und nein, natürlich könne keiner mitfahren.“

Foto: Thomas Kohler@Flickr CC-Lizenz