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Spruch des Tages: Martin Walser

mütze

Der sprechende Hut aus Harry Potter?

Wer andauernd begreift, was er tut, bleibt unter seinem Niveau.

Martin Walser

Walser ist einer der erfolgreichsten Autoren im deutschsprachigen Raum. Durch sein Anecken ist er immer wieder in den Schlagzeilen. Auseinandersetzungen hatte er unter anderem mit Kritikerpapst Marcel Reich-Ranicki. Im Roman Tod eines Kritikers geht es um Hintergründe und Motive für einen Mord im Literaturbetrieb. Nich auszuschließen ist, daß es Walser mit diesem Roman mit Reich-Ranicki abrechnen wollte. Auf jeden Fall nahm es die Frankfurter Allgemeine Zeitung zum Anlaß, schon vor Erscheinen des Romans darüber zu diskutieren, ob man Kritikerpäpste in dieser Art verunglimpfen kann. Was folgte war ein langes Hin und Her, das vor allem Publicity und Umsatz brachte.

Weiteres Beispiel für Walsers Kunst, die Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen, war seine Rede in der Frankfurter Paulskirche im Jahr 1998. In einigermaßen schwer verständlichen Sätzen legte er sich mit dem damaligen Zentralratsvorsitzenden der Juden in Deutschland, Ignaz Bubis an, da er in seiner Rede Interpretationsspielraum ließ. Was bleibt ist die Prägung des Begriffs Moralkeule und eine lange Diskission in allen Medien. Ganz ungeahnte Talente beweist Walser als Schauspieler in Harry Potter, wie Anselm Neft in seinem Blog aufzeigt.

Foto: Thomas Kohler@Flickr CC-Lizenz

Zitat des Tages: Peer Steinbrück

Die Szymaniaks, Tilkowskis, Szepans und Burdenskis wurden nicht gefragt, wo sie herkommen, sie mußten gut kicken können.

Peer Steinbrück, Bundes-Finanzminister a.D.

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Das Runde muß ins Eckige

Offizier, Volkswirt, Referent im Ministerium, Staatssekretär, Minister und Schachspieler. Der Lebensweg von Peer Steinbrück klingt trocken wie seine letzte bedeutende Position als Herr der deutschen Finanzen. Eines der am meisten verwendeten Fotomotive ist das verkniffene Gesicht Steinbrücks mit nach unten gezogenen Mundwinkeln. Der Anti-Sympath, der Spießer, der perfekte Finanzbeamte  – diesen Eindruck MUß man einfach gewinnen. Auch in der Web 2.0 Welt gibt es beim Thema Peer Steinbrück wenig zu lachen (zumindest für ihn selbst): Schweizer mögen ihn nicht, weil er deren Bankgeheimniskrämerei in Frage stellte und viele weitere Nutzer von Facebook & Co. wollen ihn einfach nur abwählen oder finden ihn bieder und merkwürdig.

Doch Steinbrück hat Qualitäten, die die meisten anderen Politiker vermissen lassen: er sagt, was er meint und das ohne Rücksicht auf Parteifreunde. Bei seinem Abschied aus dem SPD-Parteivorstand im Oktober 2009  kamen die entscheidende Sätze, die zeigen wie analytisch er denkt und welche Schlüsse er daraus zieht: “Alle bisher gegebenen Deutungen des Wahlergebnisses befriedigen mich nicht. Für mich steht die Tatsache rätselhaft im Raum, dass mitten in der größten Wirtschafts- und Finanzkrise seit Gründung der Bundesrepublik Deutschland eine Mehrheit der Bevölkerung nicht etwa kapitalismuskritisch – um nicht “antikapitalistisch”, mit der Gefahr von Missverständnissen zu sagen – gewählt hat, sondern eine konservativ-liberale Bundesregierung, die in Teilen stramm markttheologisch orientiert ist. Ich will sagen: In einer Zeit, in der breite Teile der Bevölkerung Augenmaß, Balance, Maß und Mitte anmahnen und dementsprechend sozialdemokratische Antworten eigentlich willkommen sein müssten, entzieht uns ein breites Publikum Vertrauen. Der Hinweis auf die Chiffren Agenda 2010, Hartz IV oder auf die Rente mit 67 oder die Mehrwertsteuererhöhung reicht als Erklärung nicht aus. Denn in keinem dieser Konfliktpunkte ist von einer konservativ-liberalen Bundesregierung eher eine Korrektur zu erwarten als von der Sozialdemokratie.”

Und dann kam es noch ganz dick für die Parteiführung: “Dies alles wirft Schlaglichter darauf, wie stark die SPD mit sich selbst beschäftigt ist. Die innerparteiliche Sicht – und auch innerparteiliche Legitimationsbeschaffung in unseren Gremien – spielt eine unverhältnismäßig große Rolle gegenüber der viel wichtigeren Frage, wie wir durch den Wähler in der Wahlkabine legitimiert werden können. Den Hinweis von klugen Beobachtern, dass sich Parteien zu selbstreferenziellen Systemen entwickeln können, würde ich in der Lage, in der wir jetzt sind, sehr ernst nehmen.”

Hinweise und Links: Die Facebook-Feinde von Steinbrück und die Brandrede vom Oktober 2009. Foto: Thomas Kohler@Flickr CC-Lizenz

Fakt ist …! Diskussionsabend im MDR

Messe Stadt

Leipzig, Heimat des MDR

FAKT ist …!  – der Polittalk des Mitteldeutschen Rundfunks. Abends um zehn geht es nicht mehr ganz so heiß her; typisch Regionalfernsehen eben. Sozialparadies oder Almosenrepublik – dank FDP-Chef Westerwelle, der mit seiner Hartz-IV-Dekadenz-These das Volk und die Medien erstaunlich intensiv wachgerüttelt hat, wurde ein aktuelles und spannendes Thema gefunden. Gewiß, eine Lösung der Frage, wie man einen Sozialstaat schafft, der nicht zugleich die arbeitende Bevölkerung über Gebühr belastet, ist leider nicht trivial. So lebhaft die Diskussion im Algemeinen zu diesem Thema derzeit ist, konnte der MDR-Talk den Zuschauer nicht schlauer machen. Um es vorweg zu nehmen: dieser MDR-Abend brachte keinen Fortschritt in der Sache, was auch am Personal der Runde gelegen haben mag:

  • Hans-Olaf Henkel, Ex-Präsident des Bundesverbands der Deutschen Industrie
  • Sahra Wagenknecht, wirtschaftspolitische Sprecherin der Bundestagsfraktion der LINKEN
  • Sven Morlok, sächsischer Staatsminister für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr (FDP)
  • Gunnar Heinsohn, Soziologe und Ökonom

Herr Henkel kann außerordentlich schick lächeln. Ansonsten zitiert er dänische Arbeitsmarktstrategien, Schwarzarbeitproblematiken und Mindestlohnvarianten. Frau Wagenknecht ist hellwach und hat immer ein Argument mehr als ihre Gegenüber, dennoch mag man ihr nicht zuhören, allein des hoch geschlossenen Kragens wegen. Herr Heinsohn spricht kluge Sätze, aber kann eine Mischung aus Soziologie und Wirtschaft tatsächlich Deutschland retten? Und der Minister aus Sachsen schlägt Dinge vor, die er als Regierungsbeteiligter ganz einfach umsetzen könnte, es aber aus unerfindliche Gründen nicht tut.

Einziger Lichtblick der Sendung: Ines Krüger, die zum Glück nicht mehr Brisant moderieren muß. Die Gestik reicht noch nicht ganz für DAS ERSTE, die Truppe der Wortfechter hat sie allerdings im Griff. Bleibt die Frage, ob FAKT ist …! eine typsche MDR-Sendung ist? Gewiß, die Assistentin, die die Zuschauerfragen vorliest, ist echt MDR: zu schnell, zu laut, zu aufgeregt – wahrscheinlich allerdings ein Publikumsliebling, da unwahrschenlich sympathisch. Nicht verwunderlich deshalb ihr Titel: Die Bürgermoderatorin.

Foto: Thomas Kohler@Flickr CC-Lizenz

Zitat des Tages: Gotthold Ephraim Lessing

Pflanze und Tier

Auch Blätter können asymmetrisch sein

Wir sind alle Blätter an einem Baum
keins dem andern ähnlich,
das eine symmetrisch, das andere nicht,
und doch alle gleich wichtig dem Ganzen.

Gotthold Ephraim Lessing

G.E. Lessing ist einer der erfolgreichsten deutschen Schriftsteller, obwohl man ihm spontan wahrscheinlich nicht diesen Titel verleihen würde. Der Grund für den Erfolg: Seit über zweihundert Jahren werden seine Dramen ununterbrochen an sehr, sehr vielen deutschen Theatern aufgeführt. Sein wohl bekanntestes Werk Nathan der Weise dürfte allen Schülern deutscher Gymnasium bestens bekannt sein. An der dort enthaltenen Ringparabel haben sich schon Generationen an der Interpretation geübt. Die kürzeste Version der Deutung: Sei tolerant und du wirst geliebt.

Foto: Thomas Kohler@Flickr CC-Lizenz

Spruch des Tages:

Heut ist mir alles herrlich; wenn’s nur bliebe! Ich sehe heut durchs Augenglas der Liebe.

Johann Wolfgang v. Goethe

Nicht nur zum Valentinstag könnte man sich ein romantisches Treffen im Liebespavillon vorstellen.

Romantik pur im Wald

Treffpunkt im Wald

Foto: Thomas Kohler@Flickr

Spruch des Tages: Paul von Heyse

Soll das kurze Menschenleben immer reife Frucht dir geben, mußt du jung dich zu den Alten, alternd dich zur Jugend halten.

Paul von Heyse

Im Alter hat man sich Einiges zu sagen.

Im Alter hat man sich Einiges zu sagen.

Foto: onkel_wart@Flickr

Zitat des Tages: Barbara Kux

Beim derzeitigen Bevölkerungswachstum ist absehbar, dass wir bald zwei Erden brauchen. Wir haben allerdings nur eine.

Barbara Kux

Langsam wird es eng auf der Welt. Die Managerin aus der Schweiz, Barbara Kux, hat es auf den Punkt gebracht. Das Bevölkerungswachstum vollzieht sich in immer schnelleren Bahnen. Zu Zeiten Jesu Christi dauerte die Verdopplung der Weltbevölkerung noch über zweihundert Jahre. Derzeit sind es nur etwas über dreißig Jahre. Allerdings sind die Unterschiede zwischen den einzelnen Kontinenten gewaltig. In Asien gibt viele Länder mit einer durschnittlichen Fruchtbarkeit (Geburten pro Frau) von über drei, während in Europa der Wert bei weit unter zwei liegt.

Ein weiterer Effekt durch dieses Wachstum ist das Entstehen von Millionen-Städten. 1975 gab es gerade einmal 5 Städte mit mehr als 10 Millionen Einwohnern. Im Jahr 2005 waren es schon vierzehn; 2026 werden es wahrscheinlich mehr als 25 sein. Auch hier liegen die größten Steigerungsraten in Asien.

Es werden immer mehr

Es werden immer mehr

Foto: TomStardust@Flickr

Spruch des Tages: Gunter Gabriel

Erst im Alter habe ich mich geärgert, wenn ich immer noch Schlager-Fuzzi genannt wurde. Man müßte doch langsam den Unterschied kapieren. Aber ich bin kein Hasser. Nennt mich Diesel-Cowboy oder Arschloch, das ist mir egal, aber laßt den Schlagersänger sein.

Gunter Gabriel im Interview mit der WELT am 19.10.2009

Echte Männer fahren große LKWs

Echte Männer fahren große LKWs

Foto: Thomas Kohler@Flickr