Archiv für Reim
So bunt wie das Angebot, ist auch die Top 10 der meistverkauften Titel eines großen Online-Versandhandels. Wer hätte gedacht, daß es so einfach ist, die besten zehn Plätze zu erreichen. Offenbar gilt die Regel: wer in der Lage ist, eine SMS zu schreiben, sollte es mit seinem Werkauch in die Top Ten schaffen.
- Thriller in der x-ten Variante (Buch)
- Ausgezeichnete Autorin (Buch)
- Erfolgsautor (Buch)
- Sport-Computerspiel (Computer)
- Deutsch-Pop mit Vollbart (Musik)
- Vampir-Roman-Fortsetung (Buch)
- Bezieungskomödie (DVD)
- Sport-Computerspiel Teil 2 (Computer)
- Deutsch-Pop mit anspruchsvollen Texten (Musik)
- Talkender Comedian mit roter Nase (Audio/Buch)
Und so sehen die tatsächlichen Charts 2009 bei Buecher.de aus:
- Das verlorene Symbol – Dan Brown
- Atemschaukel – Herta Müller
- Limit – Frank Schätzing
- Wii Fit Plus (Software ohne Board)
- Stadtaffe – Peter Fox
- Bis(s) zum Ende der Nacht / Twilight-Serie Bd. 4 – Stephenie Meyer
- Keinohrhasen (Einzel-DVD)
- Wii Sports Resort + Wii Motion Plus (Bundle)
- Gute Reise – Ich + Ich
- Die Leber wächst mit ihren Aufgaben, Audio-CD , Eckart von Hirschhausen

Vier der zehn erfolgreichsten Produkte waren 2009 Bücher
Quelle: Charts Buecher.de Foto: Thomas Kohler@Flickr
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Passend zur Weihnachtszeit hat Joseph von Eichendorff die richtigen Worte gefunden. Der in Oberschlesien geborene Schriftsteller gilt als einer der bedeutendsten Romantiker. Ein Denkmal setzen ihm unzählige Musiker, die sein Werk ein paar tausend mal vertont haben. Großartig sind nicht nur seine vielen, vielen Gedichte. Auch die Novelle Aus dem Leben eines Taugenichts gilt als wichtiges Element der deutschen Romantik.
Weihnachtszeit
Markt und Straßen stehn verlassen,
still erleuchtet jedes Haus,
Sinnend’ geh ich durch die Gassen,
alles sieht so festlich aus.
An den Fenstern haben Frauen
buntes Spielzeug fromm geschmückt,
Tausend Kindlein stehn und schauen,
sind so wunderstill beglückt.
Und ich wandre aus den Mauern
Bis hinaus ins freie Feld,
Hehres Glänzen, heil’ges Schauern!
Wie so weit und still die Welt!
Sterne hoch die Kreise schlingen,
Aus des Schnees Einsamkeit
Steigt’s wie wunderbares Singen-
O du gnadenreiche Zeit!

Ein Licht in dunkler Jahreszeit
Foto: Thomas Kohler@Flickr
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Soll das kurze Menschenleben immer reife Frucht dir geben, mußt du jung dich zu den Alten, alternd dich zur Jugend halten.
Paul von Heyse

Im Alter hat man sich Einiges zu sagen.
Foto: onkel_wart@Flickr
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Der Mond ist aufgegangen (Matthias Claudius)
Der Mond ist aufgegangen,
Die goldnen Sternlein prangen
Am Himmel hell und klar;
Der Wald steht schwarz und schweiget,
Und aus den Wiesen steiget
Der weiße Nebel wunderbar.
Wie ist die Welt so stille,
Und in der Dämmrung Hülle
So traulich und so hold!
Als eine stille Kammer,
Wo ihr des Tages Jammer
Verschlafen und vergessen sollt.
Seht ihr den Mond dort stehen?
Er ist nur halb zu sehen,
Und ist doch rund und schön!
So sind wohl manche Sachen,
Die wir getrost belachen,
Weil unsre Augen sie nicht sehn.
Wir stolze Menschenkinder
Sind eitel arme Sünder
Und wissen gar nicht viel;
Wir spinnen Luftgespinste
Und suchen viele Künste
Und kommen weiter von dem Ziel.
Gott, laß uns dein Heil schauen,
Auf nichts Vergänglichs trauen,
Nicht Eitelkeit uns freun!
Laß uns einfältig werden
Und vor dir hier auf Erden
Wie Kinder fromm und fröhlich sein!
Wollst endlich sonder Grämen
Aus dieser Welt uns nehmen
Durch einen sanften Tod!
Und, wenn du uns genommen,
Laß uns in Himmel kommen,
Du unser Herr und unser Gott!
So legt euch denn, ihr Brüder,
In Gottes Namen nieder;
Kalt ist der Abendhauch.
Verschon uns, Gott! mit Strafen,
Und laß uns ruhig schlafen!
Und unsern kranken Nachbar auch!

Der Blick gen Himmel lohnt
Foto: realSMILEY@Flickr
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Hamlets Geist – von Erich Kästner
Gustav Renner war bestimmt
die beste Kraft am Toggenburger Stadttheater.
Alle kannten seine weiße Weste,
alle kannten ihn als Heldenvater.
Alle lobten ihn, sogar die Kenner,
und die Damen fanden ihn sogar noch schlank.
Schade war nur, dass sich Gustav Renner,
wenn er Geld besaß, enorm betrank.
Eines Abends, als man Hamlet gab,
spielte er den Geist von Hamlets Vater,
und was man nur Dummes tun kann, tat er.
Hamlet war aufs äußerste bestürzt,
denn der Geist fiel gänzlich aus der Rolle,
und die Szene wurde abgekürzt.
Renner fragte, was man von ihm wolle?
Man versuchte hinter den Kulissen
ihn von seinem Rausche zu befreien,
legte ihn lang hin und gab ihm Kissen,
und dabei schlief Gustav Renner ein.
Die Kollegen spielten nun exakt,
weil er schlief und sie nicht länger störte.
Doch er kam! Und Zwar im nächsten Akt,
wo er absolut nicht hingehörte.
Seiner Gattin trat er auf den Fuß,
seinem Sohn zerbrach er das Florett,
und er tanzte mit Ophelia Blues,
und den König schmiss er ins Parkett.
Alle zitterten und rissen aus,
doch dem Publikum war das egal;
so etwas von donnerndem Applaus
gab’s in Toggenburg zum ersten Mal.
Und die meisten Toggenburger fanden:
Endlich hätten sie das Stück verstanden.
Der Humorist mit den vielen Talenten: Theaterstücke, Gedichte, Kinderbücher, Romane. Kästner war einer vielseitigsten Künstler seiner Zeit (1899-1974). Ausgezeichnet wurde er unter anderem mit dem Georg Büchner Preis. Die bekanntesten Werke: Emil und die Detektive, Pünktchen und Anton, Fabian – die Geschichte eines Moralisten, Das fliegende Klassenzimmer, Das doppelte Lottchen, Drei Männer im Schnee.

Erich Kästner Denkmal in Dresden
Foto: Martin Röll@Flickr
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